Zurück | Persönliche Entwicklung | 21.10.2026
Der Herbst lädt uns ein, genauer hinzuschauen. Die Tage werden kürzer, die Natur zieht sich langsam zurück, und die Bäume lassen ihre Blätter fallen. Was eben noch grün und lebendig war, darf sich verändern.
Wenn ich die Natur in dieser Jahreszeit beobachte, frage ich mich manchmal: Was wäre, wenn auch wir uns diese Freiheit zugestehen würden? Nicht immer alles festzuhalten. Und nicht ständig darüber nachzudenken, was wir noch verbessern oder erreichen sollten.
Vielleicht ist der Herbst eine schöne Einladung, innezuhalten und sich selbst ein paar Fragen zu stellen.
Denn im Laufe unseres Lebens sammeln wir unzählige Erfahrungen. Wir meistern Herausforderungen, treffen Entscheidungen, übernehmen Verantwortung und gehen durch Zeiten, die uns viel abverlangen. Manches davon macht uns stärker. Anderes prägt uns auf eine Weise, die wir erst viel später verstehen.
Und manchmal halten wir an Dingen fest, obwohl sie längst nicht mehr zu uns passen. An Erwartungen, die wir erfüllen müssen. An Gewohnheiten, die uns wenig guttun. An Vorstellungen davon, wie wir sein sollten oder wie unser Leben auszusehen hätte.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, nicht nur zu fragen, was wir loslassen möchten. Sondern auch, was wir bewusst behalten und stärken wollen.
Welche Erfahrungen haben mir gezeigt, was in mir steckt? Was gibt mir heute Energie? Bei welchen Menschen fühle ich mich wohl und darf einfach ich selbst sein? Und was möchte ich in meinem Leben wieder etwas mehr Raum geben?
Denn unser Leben besteht nicht nur aus dem, was wir noch erreichen möchten. Es enthält bereits vieles, das uns stärkt und das wir für unseren weiteren Weg nutzen können.
Du brauchst dafür weder viel Zeit noch ein besonderes Hilfsmittel. Vielleicht findest du bei einem Spaziergang, bei einer Tasse Tee oder in einem ruhigen Moment am Abend Gelegenheit, dich mit den folgenden Fragen zu beschäftigen.
1. Was darf weniger werden?
Gibt es etwas in meinem Alltag, das mir regelmässig Energie nimmt? Eine Erwartung, die ich an mich selbst stelle? Eine Verpflichtung, die ich hinterfragen könnte? Oder etwas, das ich nur noch aus Gewohnheit tue?
Du musst daraus nicht sofort eine Veränderung ableiten. Manchmal reicht es, etwas überhaupt erst bewusst wahrzunehmen.
2. Was möchte ich bewahren?
Denke an eine Situation, in der du dich lebendig, zufrieden oder ganz bei dir gefühlt hast. Was hat diesen Moment ausgemacht? Was war dir wichtig? Welche Menschen, Tätigkeiten oder kleinen Gewohnheiten haben dazu beigetragen?
Vielleicht entdeckst du dabei etwas, das in deinem Alltag zu kurz gekommen ist.
3. Was möchte ich künftig häufiger tun?
Wähle eine kleine Sache, die dir guttut und die du in den nächsten Tagen bewusst in deinen Alltag einbauen möchtest. Vielleicht ein Spaziergang ohne Zeitdruck, ein Gespräch mit einem Menschen, der dir wichtig ist, Musik, die dich berührt, oder ein Moment ganz für dich allein.
Es muss nichts Grosses sein. Entscheidend ist, dass es für dich stimmt.
Wenn wir vor einem neuen Lebensabschnitt stehen, richten wir unseren Blick oft auf das Ungewisse. Wir fragen uns, was auf uns zukommt, was wir verändern müssen und ob wir den neuen Herausforderungen gewachsen sind.
Dabei vergessen wir manchmal, dass wir nicht bei null anfangen.
Denn wir bringen unsere Erfahrungen mit. Unsere Fähigkeiten, unsere Werte, unsere Beziehungen und das Wissen darüber, was uns guttut und was nicht. Auch schwierige Zeiten gehören zu unserer Geschichte. Sie können Nachhinein einen Sinn bekommen, um uns etwas über uns selbst zu zeigen.
Vielleicht liegt gerade darin eine Möglichkeit: nicht nur zurückzuschauen, sondern bewusst wahrzunehmen, was wir aus unserem bisherigen Leben mitnehmen möchten.
Der Herbst erinnert uns daran, dass Veränderung zum Leben gehört. Dass Loslassen Platz schaffen kann. Und dass es sich lohnt, gut auf das zu achten, was uns Kraft gibt.
Vielleicht ist jetzt ein guter Moment, dich zu fragen: Was möchte ich in meinem Leben weniger festhalten – und was möchte ich wieder mehr wachsen lassen?
Du musst darauf keine sofortige Antwort finden. Manchmal beginnt eine Veränderung ganz leise: mit einer Frage, einem Gedanken oder einer kleinen Entscheidung im Alltag.
Mit meiner Workshop-Serie Das eigene Leben als Ressource entdecken lade ich Frauen dazu ein, innezuhalten, auf ihre Erfahrungen zurückzublicken und die darin liegenden Stärken und Möglichkeiten neu wahrzunehmen.
Nicht, um das eigene Leben zu bewerten. Sondern um bewusster zu erkennen, was bereits da ist und was für den weiteren Weg hilfreich sein kann.
Denn aus dem, was wir erlebt haben, kann etwas Neues entstehen.
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